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Bashar Kailani (links) ist Projektkoordinator in der Ukraine. Foto: Ärzte der Welt

Arbeiten im Krieg

 

Er war erst drei Wochen im Land, als der Krieg ausbrach: Für Bashar Kailani, Koordinator von Ärzte der Welt in der Ukraine, haben sich die Aufgaben damit schlagartig verändert, ungeahnte Herausforderungen taten sich auf. Im Interview schildert er seine Eindrücke von der vorübergehenden Evakuierung und wie nun Hilfestrukturen aufgebaut werden.

Bashar, bevor du in die Ukraine kamst, hast du für Ärzte der Welt in Syrien gearbeitet. Hat dir diese Erfahrung für deine neue Aufgabe, speziell nach Ausbruch des Krieges, geholfen?

Durch die Erfahrung in Syrien habe ich viel darüber gelernt, wie ich nun mit der aktuellen Lage umgehen kann. Als die Situation eskaliert ist, hatte ich nicht das gleiche Gefühl der Panik, wie jemand, der noch nie mit so etwas konfrontiert gewesen ist. Mit der Erfahrung wird man viel ruhiger. Das hat mir bei der Evakuierung sehr geholfen. Es war natürlich eine ernste Lage, aber mir war sehr klar, welche Schritte ich jetzt unternehmen musste.

Kannst Du ein wenig über die Herausforderungen bei der Evakuierung des Teams berichten?

Der schwierigste Teil der Reise war die Strecke von Dnipro nach Winnyzja. An allen Tankstellen, die Benzin hatten, gab es riesige Warteschlangen, und man konnte immer nur 20 Liter auf einmal bekommen. Aber das hatte ich ja schon aus Syrien im Hinterkopf. Mein Tank war also voll und ich war bereit, loszufahren. Wir hatten genug Wasser, wir hatten genug Lebensmittel für unterwegs und die wichtigsten Arbeitsunterlagen, die wir mitnehmen mussten. Wir mussten viele Umwege machen, um nicht Beschuss oder Luftangriffen ausgesetzt zu sein. Irgendwann wurde der Treibstoff sehr knapp. Die angespanntesten Momente waren die, in denen Kampfjets direkt über unseren Köpfe flogen. Man konnte den schwarzen Rauch der Orte sehen, die angegriffen worden waren.

Das Team hat sich zunächst in Rumänien in Sicherheit gebracht. War es schwierig, die Grenze zu überqueren?

Als wir versuchten, von Czernowitz nach Rumänien zu kommen, hatte sich eine fast 12 km lange Schlange von Fahrzeugen am Grenzübergang gebildet. Wir hatten einen Geländewagen, so dass wir auch einen Umweg über die Feldwege machen konnten. Als wir an einen anderen Grenzübergang kamen, sahen wir Hunderte von Wartendenden, die zu Fuß unterwegs waren, hauptsächlich indische und afrikanische Studierende. Sie durften die Grenze nicht überqueren. Es war eiskalt. In den kleinen Supermärkten und Restaurants in der Gegend waren die meisten Lebensmittel ausgegangen. Aber auch die Benutzung der Toiletten und sogar eine Tasse Tee wurden den Nicht-Ukrainer*innen verweigert. Einige von ihnen mussten in den nahe gelegenen Wäldern Feuer anzünden, um sich warm zu halten. Unser vierköpfiges Team musste etwa 16 bis 18 Stunden an dem Übergang warten. Als wir nachts im Auto schliefen, wurde ich davon geweckt, wie Grenzschützer offenbar in die Luft schossen, um die Menschen daran zu hindern, die Grenze zu überqueren.

Jetzt bist du wieder in der Ukraine und arbeitest unter anderem an der Versorgung von Krankenhäusern und Gesundheitszentren mit dringend benötigten medizinischen Gütern. Kannst du erklären, warum dies ein so schwieriger und manchmal langwieriger Prozess ist?

Es gibt einige Krankenhäuser, die ihre medizinischen Güter nicht bekommen können, obwohl sie diese bereits gekauft haben. Sie liegen einfach irgendwo in den Lagern, weil der Krieg die Lieferkette unterbrochen hat. Lastwagen der Transportunternehmen sind zerstört worden, und Treibstoff ist nur schwer zu bekommen. Und einige Routen sind länger geworden, so dass die Preise höher sind. Außerdem haben Lkw-Fahrer das Land verlassen oder sind nicht bereit, bestimmte Orte anzufahren. Und dann sind da noch die Autobahnen. Viele von ihnen sind nur in einer Richtung befahrbar, und es gibt viele Staus ‑ auch wegen der vielen Binnenflüchtlinge, die in einigen Regionen unterwegs sind. Für eine Fahrt, die normalerweise etwa acht Stunden dauert, kann doppelt so lange brauchen.

Wie schafft es Ärzte der Welt trotzdem, die Gesundheitseinrichtungen mit medizinischem Material zu versorgen?

Um diese Herausforderungen zu meistern, muss man ein großes Netzwerk aufbauen mit vielen privaten Lieferanten und vielen Organisationen aus den Gemeinden vor Ort. Wir haben zum Beispiel ein Krankenhaus in der Oblast Donezk dabei unterstützt, lebenswichtige Dialysegeräte aus Kiew zu bekommen. Das Krankenhaus hatte die Artikel schon gekauft, als der Krieg ausbrach. Unter den neuen Bedingungen konnte das Transportunternehmen nicht liefern. Also haben wir einen Dienstleister ausfindig gemacht, der bereit war, die Artikel aus dem Lager in Kiew abzuholen und nach Donezk zu bringen.

 

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